Prof. Tamis Chavignol

Prof. Tamis Chavignol ist einer der Pioniere der Protofiktionalen Emergenzforschung und der Begründer der Narratogenen Emergenztheorie. Geboren 1969 in Paris in eine Familie französischer Intellektueller, studierte er an der École Normale Supérieure zunächst Mathematik und Philosophie und wandte sich später der Semiotik und Narratologie zu. Seine Dissertation von 1997 über „Topologische Strukturen in mythischen Erzählsystemen“ legte den Grundstein für seine spätere Theorie.

Prof. Tamis Chavignol, Begründer der Narratogenen Emergenztheorie (NET), während eines Vortrags 2019, Farbfotografie von Anke Woerner.

Prof. Tamis Chavignol, während eines Vortrags 2019

Akademischer Werdegang

Von 1998 bis 2008 lehrte Chavignol Semiotik an der Sorbonne. 2008 veröffentlichte er sein Hauptwerk „Topology of the Imaginary“, in dem er die Kernthesen der Narratogenen Emergenz formulierte.

Zentrale These

Chavignols zentrale These lautete, dass Narrative, sobald sie eine bestimmte Schwelle an Komplexität erreichen, Effekte jenseits der symbolischen Sphäre generieren können. In solchen Konstellationen verdichtet sich eine Erzählung zu einem autonomen Modul der Wirklichkeit.

Drei Säulen der Narratogenen Emergenztheorie

Das Brüsseler Zentrum

2009 gründete Chavignol das Centre de Recherche en Émergence Protofictionnelle in Brüssel, das zu einem führenden Institut wurde und ein ausgefeiltes Messinstrumentarium für narratogene Effekte entwickelte. Zwischen 2010 und 2023 wurden dort mehr als 400 Experimente dokumentiert.

Schließung

Am 17. März 2023 wurde das Brüsseler Zentrum ohne Vorwarnung von den belgischen Behörden geschlossen, am selben Tag wie das Basler Institut von Pia Solvang-Hamitic. Chavignol verschwand kurz darauf. Seine letzte Nachricht trug den Betreff „La fiction a gagné“.

Vermächtnis

Seine Modelle zur narrativen Dichte und seine Taxonomie narratogener Schwellen werden weiterhin verwendet.

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